Rosenfeuer

Freiwillige Feuerwehr Haldenwang
hat den Brauch im Jahr 2002 wieder aufleben lassen.

Traditioneller Termin für die symbolische Winteraustreibung ist der vierte Sonntag der Fastenzeit, also drei Wochen nach dem Funkensonntag. Überliefert hat diesen Termin der Volkskundler Dr. Karl Reiser. In seinem vor über 100 Jahren erschienenen Standardwerk „Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus“ erklärt er auch den Begriff „Rosensonntag“. An diesem Tag in der „Mittfasten“ hat man in wenigen Orten des Allgäus, so in Haldenwang und Börwang, ein Rosenfeuer abgebrannt. Im Festjahr 2002, zum 850jährigen Bestehen der Gemeinde Haldenwang, hat die Freiwillige Feuerwehr Haldenwang diesen alten Brauch wieder aufleben lassen.

Woher kommt dieser Brauch? Am 3. Sonntag vor Ostern wurde vom 11. bis zum 19. Jahrhundert alljährlich die „Goldene Rose“ oder Tugendrose“ vom Papst im Petersdom geweiht, eine aus Gold gearbeitete, diamantenbesetzte Rose, deren Goldknospe mit Balsam und Moschus gefüllt ist. Sie wurde verliehen an besonders verdiente „Kämpfer im Glauben“. Nachgewiesen ist dies erstmal für 1049 unter Papst Leo IX. (1049-1054). Mit der goldenen Rose in der Hand trat der Papst vor die Gläubigen und wies damit auf die Passion Christi hin (Christus wurde bildhaft als Rose gedeutet, vgl. das Lied „Es ist ein Ros` entsprungen…“). Der Brauch wurde bis in das 19. Jahrhundert hinein ausgeübt und scheint sich später nicht nur auf Rom beschränkt zu haben. Die goldene Rose steht für Christus in doppeltem Sinn: Das Gold der Rose symbolisiert die Auferstehung, die Dornen die Passion. Die Rose zu Laetare diente dazu, wie Kardinal Petrus de
Mora, Bischof von Capua, erklärte, den Gläubigen zur Minderung der Trauer über das Leiden Christi den Ruhm des Herrn bei der kommenden Auferstehung anzuzeigen. Wahrscheinlich hat Abt Johann II., der von 1492 bis 1521 Abt im Kloster Andechs war und aus Schrattenbach kam, den Brauch des Rosenfeuers im Allgäu begründet.
Rosenfeuer in Haldenwang
Im Standardwerk „Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus“ von Dr. Karl Reiser ist folgendes zu lesen: Der vierte Sonntag in der Fasten heißt in manchen Gegenden des östlichen und unteren Allgäus der „Rosensonntag“, an dem alles nachmittags nach der Kirche ins Wirtshaus geht und „d`Hübsche und d`Starke“ trinkt, wo das nicht schon, wie an vielen Orten, am Funken- oder weißen Sonntag geschehen ist. Um Börwang und Haldenwang brennt man an diesem Rosensonntag ein Feuer, doch ist das erst in neuerer Zeit wieder aufgekommen. In Meggenried werden sog. „Rosennudle“
bereitet. Es sind die Ziegernudeln, die man aus einem Teig macht, dem saure Zieger beigemengt wurde, und die man im Schmalz backt. In Stötten, Bertoldsofen, Ebenhofen heißt dieser Sonntag auch „Bretzgensonntag“, weil da einem alten
Herkommen gemäß die Paten den Kindern Bretzgen und Eierwecken schenken.